Der Weinberg erwacht langsam aus dem Winterschlaf
Sobald der Frost nachlässt und die Reben ihre Winterruhe beenden, beginnt eine der arbeitsintensivsten Phasen des Jahres für die Mitglieder der Weinbruderschaft. Jetzt werden die entscheidenden Weichen für Qualität und Ertrag des kommenden Jahrgangs gestellt.
Einige Tage zuvor richtete bereits das Kapitel gemeinsam mit dem Rebenbeauftragten die Drähte der Anlage, entfernte alte Fruchtruten (Rebschnitt) und bereitete die Weinstöcke sorgfältig auf den nächsten Arbeitsschritt vor.
Im Mittelpunkt steht der Rebschnitt – die wohl wichtigste handwerkliche Tätigkeit im Weinberg. Ziel ist es, das alte Holz zu entfernen und die Anzahl der Augen (Knospen) für das neue Vegetationsjahr festzulegen. Das Fruchtholz auswählen: In der Regel bleibt beim sogenannten Bogenschnitt ein kräftiger Trieb pro Stock stehen. Die Belastung steuern: Weniger Augen bedeuten meist geringeren Ertrag, dafür jedoch eine höhere Qualität der Trauben. Hier zeigt sich die Erfahrung des Winzers. Mit Fingerspitzengefühl wird entschieden, wie viel Kraft die Rebe im kommenden Jahr aufbringen soll.
Warum auch der richtige Zeitpunkt entscheidend ist Bevor die Reben ins sogenannte „Bluten“ kommen – wenn bei steigenden Temperaturen Saft aus den Schnittstellen austritt – müssen die groben Arbeiten abgeschlossen sein. Spätestens im empfindlichen Wollestadium dürfen die jungen Knospen nicht mehr gestört werden.
Bei einem gemeinsamen Arbeitstag am letzten Samstag, trafen sich dann über 30 Mitglieder der Bruderschaft, um weitere Pflegearbeiten durchzuführen:
- Freischneiden des Hangs und der Zaunanlage
- Form- und Rückschnitt von Büschen und Bäumen
- Pflege des Pflanzengartens am Hang
- Biegen und Anbinden der Fruchtruten
- Sammeln der abgeschnittenen Triebe und Abtransport zum Kompost
Für neue Mitglieder und Interessierte wurde direkt am Stock demonstrierte, wie Ruten fachgerecht geschnitten, gebogen und angebunden werden. Eine wertvolle Gelegenheit, das traditionelle Handwerk unmittelbar zu erlernen.
Nach getaner Arbeit durfte auch der gesellige Teil nicht fehlen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen und einigen Gläschen Wein klang der arbeitsreiche Tag in gemütlicher Runde aus.
So verbindet die Weinbruderschaft-1670 Steinau fachkundige Weinbergsarbeit mit gelebter Gemeinschaft – und schafft damit beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen neuen Jahrgang.
Artikel Uli Med / Bilder David Lifka & Uli Med


















